Mary Pop­pins kehrt nach mehr als 50 Jah­re zurück. Doch was unter­schei­det sich zum Klas­si­ker aus 1964. Sind die alten Ele­men­te noch zu bestau­nen und vor allem stellt man sich die Fra­ge : Ver­zau­bert der Strei­fen auch?Das und mehr ver­rät Dir die­ser Review. 

Eme­ly Blunt als Mary Pop­pins

Mit der Tür ins Haus

Der Pen­dant zu Bert (Dick van Dyke) fängt wie im ers­ten Film ein Lied zu sin­gen. (Unter Lon­dons Him­mels­zelt) 

Der Song sorgt bei der Audi­enz für eine opti­mis­ti­sche und hoff­nungs­vol­le Schwe­re­lo­sig­keit. Das Lied stimm­te mich zumin­dest auf etwas posi­ti­ves ein. Der Film beginnt damit, wie das erwach­se­ne Leben von den Micha­el und Jane Banks aus­sieht. Ein kur­zer, aber prä­gnan­ter Ein­druck. Genau­so wie im ers­ten Teil. Wir erin­nern uns : Im ers­ten Teil bringt Bert uns zum Kirch­baum­weg 17 und man sieht wie das Kin­der­mäd­chen kün­digt. Die Kids sind abge­hau­en und alle Anwe­sen­den sind zer­streut, demo­ti­viert und wenn nicht sogar kom­plett ver­zwei­felt. 
Auch hier : Eine etwas demenz­kran­ke Haus­halts­kraft, ein Vater und Wit­wer (Micha­el) von 3 Kin­dern, zer­streut und ver­schul­det. Die Kin­der ver­su­chen die klaf­fen­den Wun­den von Vater und Tan­te zu schlie­ßen, indem sie vie­les, wenn nicht fast alles in die Hand neh­men (müs­sen). Unter­bro­chen wird das Gan­ze durch Mit­ar­bei­ter der Bank, die nach einem Rück­stand von 3 Mona­ten, die gesam­te Sum­me des Dar­le­hens ver­lan­gen. Da Micha­el  dies nicht auf­trei­ben kann, wird das Haus voll­streckt, doch Jane hat tat­säch­lich eine Idee : Die Bank­an­tei­le die Geor­ge Banks einst dem jun­gen Mann ver­mach zu ver­kau­fen. Dies war die Idee. Doch fin­den tun sie die­se nicht. 
 
An dem Punkt ist der Regis­seur dezent mit der Tür ins Haus gefal­len. Man weiß eigent­lich direkt wo der Schuh drückt, was beim Vor­gän­ger erst bei einem spä­te­ren Zeit­punkt klar wird. Es ist tri­vi­al. Was zugleich nicht nega­tiv zu wer­ten ist. Ande­rer­seits könn­te es zu lang­wie­rig wer­den. Das könn­te auch lang­wei­lig rüber­kom­men.
Ein Haus, das ver­schwin­det ?

Wäh­rend die Kin­der  ein­kau­fen sind, rum­pelt Micha­el und Jane alles aus dem Dach­bo­den aus. Wer genau schaut fin­det Requi­si­ten aus Walt‘s Meis­ter­werk. Zum Bei­spiel : Bau­klötz­chen, Auf­zieh­clown und der berühmt-berüch­tig­te Dra­che den Geor­ge Banks mit den Kin­dern geflickt hat. Der lan­det natür­lich drau­ßen im Müll und wird wie durch Zufall vom Win­de ver­weht. Goer­gie, der Kleins­te vom Kin­der­trio ist, der Ein­zi­ge, der die Welt durch Kin­der­au­gen sieht und den Dra­chen durch Zufall fin­det. Er hält ihn fest und fliegt tat­säch­lich mit. Am Ende half Jack, damit der Spröss­ling nicht kom­plett in den Wol­ken ver­schwin­det, sie­he da, wie im ers­ten Teil steigt Mary Pop­pins ab und ist erschie­nen um die Banks zu ret­ten. 


Viel Inhalt, wenig Background

Als Mary Pop­pins vor Micha­el und Jane steht, glau­ben sie ihren Augen nicht. Sie frag­ten sich, ob die Geschich­ten mit Mary tat­säch­lich statt­ge­fun­den haben. Hier fra­ge ich mich : Wie kann man sei­ne schöns­te Zeit als Kind ver­ges­sen ? Ich hin­ter­fra­ge mich : Ist das nun wirk­lich deren ernst ? Kann man sich sowas nur aus­den­ken ? Fin­de es sehr trau­rig.

Bis dahin, will ich in der Geschich­te erzäh­len, denn der Rest sollst Du schon selbst raus­fin­den, sofern Dich der Text schon inter­es­siert hat.

Die Sze­ne mit der Schüs­sel, in denen sich die Kin­der, Jack und Mar­ry auf die Rei­se bege­ben erin­nert sehr stark an den Moment, als Bert mit den Kin­dern in die Bil­der gehüpft ist. Hier hat man den Klas­si­ker stark wie­der erken­nen dür­fen, dabei haben mir die gemal­ten Pin­gui­ne und Figu­ren gut gefal­len.

Eben­so gefiel mir die Sze­ne mit Meryl Streep (Top­si) ganz gut, nur war mir das Gan­ze zu kurz und tri­vi­al. Auch im spä­te­ren Film­ver­lauf stört mich, dass man hier von Top­si abso­lut nichts mehr mit­be­kommt. Natür­lich soll man das ver­glei­chen mög­lichst unter­las­sen, doch alle Sze­nen beim Vor­gän­ger, hat­te jede Sze­ne irgend­wo einen Nut­zen. Der Witz mit Kraus­kopf : In der Bank hat es dafür die Juni­or-Job­stel­le gege­ben. Super­ka­li­fra­gi­lis­tik­ex­pia­li­ge­tisch war nicht nur für die Kin­der amü­sant, nein es hat den Vater ein­fach aus der Pat­sche gehol­fen. Im zwei­ten Teil wird dem Vater eigent­lich den Kopf gewa­schen, in dem er mehr auf sei­ne Kin­der hören muss bzw. dass man öfters die Welt mit Kin­der­au­gen schau­en muss. Fantasie‑, Hoff­nungs- und Far­ben­reich !


Ein herzerwärmendes und zu kurzes Ende

Das Ende der Sto­ry war sehr spon­tan und eher zufäl­lig. Ein Ende, das etwas zu schnell ist. Die Banks errei­chen durch diver­se Tricks doch tat­säch­lich vor der ange­ge­be­nen Zeit das Ziel und kön­nen rein theo­re­tisch ihr Haus ret­ten. Geret­tet wird es durch den CEO der Bank der von Dick van Dyke gespielt wird. Erfreu­lich ist es Dick wie­der­zu­se­hen. Es ist wirk­lich eine Sze­ne die einem ans Herz geht. Auch im Ursprungs­film ist Dick der Glei­che, er war eben­falls der CEO der Bank. Hier muss man halt beden­ken, dass der gute Mann über 90 Jah­re alt ist und so sehr man es sich wünscht, nicht mehr leis­ten kann. Natür­lich hät­te man auch Bert im hohen Alter zei­gen kön­nen, doch was noch nicht ist, kann ja noch wer­den. Denn seit anfang 2019 wur­de ver­öf­fent­licht, dass ein Sequel also eine Fort­set­zung zu Mary Pop­pins Rück­kehr in Ent­wick­lung steht. Quel­le : Screenrant.com


Effekte, CGIs und Schauspieler*innen

Gehen wir in die Ein­zel­hei­ten ein. Ange­fan­gen von der Musik. Ich habe es anfangs oft schwer mich an neue Musik zu gewöh­nen. Oft muss ich mir mehr­mals die Lie­der anhö­ren um sie zu mögen. Das hat hier aber schnel­ler funk­tio­niert. Das Eröff­nungs­lied, Stellt euch das nur mal vor, das was ihr ver­misst oder auch das Licht bei den Lyri­es sind ein­fach ein Meis­ter­werk. Sie sind lie­be­voll, sie gehen ans Herz und sie sind auch gut über­setzt. Hier strei­ten sich aber die Geis­ter. Des­halb emp­feh­le ich immer : Wer mit Deutsch nicht kann, soll sich lie­ber das Eng­li­sche anhö­ren.

Die Spe­zi­al­ef­fek­te waren alle­samt gelun­gen und mir fiel nichts nen­nens­wer­tes ein. 🙂

Meryl Streep ist in Musi­cal­fil­men immer gut auf­ge­ho­ben. Sie macht wie immer einen for­mi­da­blen Job. Emi­ly Mor­ti­mer (Jane Banks) und Ben Whis­haw (Micha­el Banks) wirk­ten frisch, jung und konn­ten ihre Gefüh­le über­zeu­gend spie­len. Julie Wal­ters, die ver­rück­te Haus­häl­te­rin war ein­fach ein tol­ler Side­cha­rak­ter und hat mich oft zum lachen gebracht, ihre Art war genau rich­tig für den Film. Kin­der möch­te ich unger­ne bewer­ten, da ich als Erzie­her ein­fach immer erstaunt bin, was Kin­der schaf­fen und wie sie uns so oft in die Tasche ste­cken. So gut schau­spie­len kann ich nicht, defi­ni­tiv nicht. Des­halb mei­ne Hoch­ach­tung.

Über Dick van Dyke brauch ich nicht reden. Eine Dis­ney­le­gen­de ist und bleibt eine Legen­de. Colin Firth ist immer­noch ein char­man­ter Mann, ein Mann der hier auch rich­tig  und authen­tisch etwas gespielt hat, was in der Welt noch immer zählt : Das Geld.

Nun kom­men wir zu den Haupt­rol­len.

Emily Blunt :

Ken­nen­ge­lernt habe ich Emi­ly Blunt bei “Der Teu­fel trägt Pra­da”.

Ich moch­te sie von Anfang an. Ihre Rol­le kam damals authen­tisch und trotz ihrer puber­tä­ren­den Rol­le doch als warm­her­zig rüber. Bei “Into the Woods” war ich sehr ent­täuscht. Es kam emo­tio­nal nichts an mich ran. Der Film ging gar nicht an mich. Viel­leicht lag es unter ande­rem auch dar­an.

Dass Emi­ly eine Mam­mut­sauf­ga­be bei Mary Pop­pins Rück­kehr hat, ist mir bewusst. Es ist nicht leicht Julie Andrews nach­zu­ah­men. Doch ich habe das Gefühl gehabt, das woll­te Emi­ly nicht. Im Gegen­teil. Sie setz­te eige­ne Akzen­te, ohne Mary Pop­pins zu ver­än­dern, denn sie hat ihre Warm­her­zig­keit zwar nicht oft aber prä­gnant spü­ren las­sen. Sie war optisch gese­hen pas­send, denn eine ande­re Schau­spie­le­rin war m.E. auch nicht wirk­lich pas­sen­der. Eben­falls die deut­sche Syn­chron­stim­me war pas­send dazu. Für mich ist sie die pas­sen­de Mary Pop­pins. Viel­leicht wird es einen Teil mit der “alten” und “neu­en” Mary geben ? Das wäre wün­schens­wert.

Lin-Manu­el Miran­da ist mir kom­plett unbe­kannt, also ein New­co­mer sozu­sa­gen. Er war für mich in der deut­schen Fas­sung ange­nehm und so mag ich ihn auch. Im Eng­li­schen fand ich den Gesang fehl­plat­ziert. War­um ? Nun eine Ente kann mei­ner Mei­nung nach schö­ner sin­gen. Nicht dass er kei­ne Töne trifft, ich emp­fin­de die Stim­me nur als stö­rend. Den­noch ist sein Erschei­nungs­bild wirk­lich pas­send und auch die Kos­tü­mie­rung der Cha­rak­ter hat super gepasst. Nur ein ein­zi­ges Mal war etwas zuviel des guten Man­nes zu sehen. (Mich stört es nicht — im Gegen­teil :)) Das Ein­zi­ge was mich wirk­lich stört sind sei­ne All­tags­er­schei­nun­gen. Lan­ge Haa­re und rasier­tes Gesicht pas­sen über­haupt nicht. Er soll bes­ser als Jack erschei­nen. 


Fazit

Lohnt sich denn der Film ? Defi­ni­tiv. Für Mary Pop­pins Lieb­ha­ber, für Mary Pop­pins Neu­lin­ge, groß und alt. Es ist ein Film der Dich ein wenig in die Sorg­lo­sig­keit beglei­tet, für knap­pe 2 Stun­den. Ein bis ins Detail geplan­ter Film ist immer inter­es­sant, denn man kann vie­le Eas­ter Eggs fin­den. Zum Bei­spiel gibt es 5–6 hid­den Mickeys. Dar­un­ter fin­det man auch Requi­si­ten aus dem ers­ten Film oder man sieht einen Tisch den man nur im Club 33 vom Dis­ney­land Resort bestau­nen darf. Man muss den Film jedoch mehr­mals sehen um die Eas­ter Eggs zu fin­den. Auch zu fin­den ist Karen Dotri­ce, die die klei­ne Jane Banks gespielt hat. Doch hier wer­de ich kei­ne Bil­der zei­gen, son­dern über­las­se das fröh­li­che Ent­de­cken Dir.

5 von 5 Mickey — ein Must See !

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