Filmkritik: Pixar’s Red

Pixar ist bekannt für progressive Filme und auch dieser Film ist ein weiterer Beweis, dass sie das mit Bravur gemeistert haben. Nur, was es mit unserer roten Fellnase namens Mei Lee auf sich hat, erfährst Du hier. Spoiler werden erkenntlich gemacht.

Handlung

Die spoilerfreie Kurzfassung

Mei Lee befindet ist ein Überflieger. Sie ist fleißig, hat viele Kurse, perfekte Noten und alles läuft wie am Schnürchen, da sie eine starke Mama hat, die sie bei jedem Schritt begleitet.

Doch wie alle jungen Mädchen beginnt auch bei ihr die Pubertät und das zeigt sich durch Emotionen und mehr. Irgendwann verwandelt sie sich in einen Panda und es wird versucht diesen wieder los zu werden. Wie es ausgeht, muss ich leider offen lassen, da ich hier nicht spoilere. 

Die Handlung - Achtung Spoiler!

Wer dies nicht lesen möchte, sollte ab hier bis zum „Fazit (in grün)“ überspringen, denn ich möchte Dich ungerne spoilern. Auch meine Bewertung und Ansicht zum Film ist leider nicht spoilerfrei. 

Mei Lee ist 13 Jahre alt und eine Perfektionistin, hat Musikunterricht, ist ein Mathegenie, hat drei treue Freundinnen und hilft beim Tempel aus, der von ihren Vorfahren geschaffen wurde. Warum es diesen Tempel gibt, wird man später erfahren. Ihre Mutter ist bestens organisiert, sie plant, bestimmt und führt die ganze Familie. Der Papa ist einfach der Sternekoch der Familie und wird wenig nach seiner Meinung gefragt. 

Sie geht zur Schule und trifft dabei immer ihre Freundinnen. Nach dem Schulbesuch schlendern die Mädels herum und schwärmen nach ihrer Lieblings-Boyband namens 4*Town. In der Gruppe sind fünf Jungs, die „besondere“ Eigenschaften haben. Während einer spricht Französisch, hat Andere Tauben und so weiter. Ein junger Mann aus der Nachbarschaft, ähnelt einem Teenager der als Aushilfskraft in einem Laden arbeitet. Alle außer Mei Lee schmachten ihn aus dem Ladenfenster an. Doch zu Hause rattern die Denkschrauben und so kommt es, wie es kommen muss… aus einer Schwärmerei zeichnet unsere Heldin eine Romanze mit dem jungen Mann und wird von der Mama in flagranti erwischt. Die Mutter mit einer immensen Fürsorge gerät dabei in  Rage und konfrontiert die Aushilfskraft vor Ort. Peinlich für die pflichtbewusste Tochter, die sie am darauf folgenden Tag erwischt, denn sie erwacht als Panda! Drama Baby! Drama!

Sie versteckt sich daraufhin im Bad, während Mama noch nichts von ihrem Glück weiß, denn sie vermutet, es wäre die erste Periode die einsetzt. Lange Rede kurzer Sinn: Sie findet es irgendwann raus und es wird ihr  erklärt, warum sie zum Panda wird und wie man ihn „versiegeln“ kann, damit man „normal“ weiterleben kann. Seitdem wird sie von der Mama penetrant observiert, kontrolliert und kommandiert.

Doch warum verwandelt sich die junge Dame in einen roten Panda? Das liegt daran, dass die Verwandlung an ihren Emotionen, zum anderen hatten die Vorfahren in der Kriegszeit die Götter darum gebeten sich verteidigen zu können, da die Männer nicht mehr da waren und wurden in einen Kriegerpanda verwandelt um ihre Familie und ihr Leben zu beschützen. Allerdings wird das an alle weiblichen Nachkommen weitergegeben und in der heutigen Zeit ist dies nicht mehr so nötig wie man es sich wünscht.

(Das gibt es noch einiges zwischendrin und das will ich offen lassen, sonst macht es keinen Spaß zu gucken. Denn der Panda der sie ist, hat nicht nur schlechte Seiten und warum er doch eventuell ganz schön nice ist, wirst Du beim Film sehen.)

Beim Finale kommt es zur Zeremonie, wo Mei Lee ihren Pandageist los werden kann. Doch das will sie gar nicht und so kommt es zu einem weiteren Wendepunkt. Beim Abbruch des Rituals kommt es zu einem Rückstoß, der die Mutter zu Boden stürzen lässt und das Pandasiegel bricht. Dies lässt die Mutter in einen Panda verwandeln, das alles noch einmal ordentlich aufwirbelt. Doch das Ende verrate ich Dir jetzt aber nicht. 😛

Die Message des Filmes (nicht spoilerfrei)

In dem Film habe ich einiges beobachten können. Oberflächlich betrachtet, sieht man ein pubertierendes Mädchen, das von der Mutter stark eingenommen und gefördert wird. Mehr als ihr lieb ist. Die Pubertät ist keine einfache Phase und dennoch findet sich Jeder darin. Schwärmerei, Liebe, Körperveränderungen usw… spielen dabei eine große Rolle. Allerdings ist der Mutter gar nicht klar, dass sie sie komplett so stark vereinnahmt, dass sich die Tochter weiter von ihr entfernt. Ebenfalls sieht man, dass der Papa der Familie absolut nichts zu melden hat, was auch  ein authentisches Familienbild vermittelt. So wird der Vater auch von ihr kommandiert, doch für ihn ist das okay so. Es ist toll, dass hier Frauen eine führende Rolle im Film spielen. 

Auch wird hier die Freundschaft zu vier Mädchen gezeigt, was im Großen und Ganzen bedeutet, dass es hier wirklich fast nur um Mädchen geht, was mich sehr stark an Sailor Moon erinnert. Vor allem weil unsere Protagonistin sich in einen Panda verwandeln kann um zu beschützen bzw. Freude und Liebe zu vermitteln. Auch extrem stark empfinde ich die gegebene Aufmerksamkeit der Menstruation. Es ist ein absolut natürliches Thema, doch wird immer noch als großes Tabu angesehen, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Ein ganz normaler biologischer Vorgang, der bei allen Säugetieren vorkommt und es wird auch demonstrativ gezeigt wie fürsorglich da die Mutter reagiert. Einfach top!

Der Stil der Augen wechselt manchmal wenn etwas mega „süß“ ist oder Jemand sich etwas doll wünscht. Hier kommt der Stil im Animeformat durch, der bei mir sehr gut ankommt und ich das feiere. Es kommt wie schon bereits erwähnt an unsere Kriegerin des Mondes. Tatsächlich spielt der Film im Jahre ca. 1999-2002 und wäre somit in der Zeit der heutigen 30+ die ebenfalls hier ihre Pubertät erleben durften. Ich durfte mich für ca. 90 Minuten nochmal wie 12 fühlen und es wäre für mich ein Graus, diese Zeit nochmal zu durchleben, ganz ehrlich.

Kommen wir nun zum „deepen“.

Die tiefe Message des Filmes (nicht spoilerfrei)

Nun kommen wir zum „deepen“ der Story. Es geht um viel Selbstliebe. Ja genau, Selbstliebe. Die Mutter und als auch die Tochter versuchen eigenen Mutter gerecht zu werden. Oberflächlich betrachtet ein asiatisches Klischee, aber das betrifft u.a. auch uns bzw. mich. Wie ich immer alles mitgemacht habe, damit ich ja keinen Stress mit meiner Mama bekomme und ich sie eigentlich stolz machen wollte. Bis auch ich 14 Jahre wurde und nicht mehr zu den Versammlungen der Zeugen Jehovas wollte, weil es mich seelisch kaputt gemacht hat. So ist es im Film genauso, Mei Lee möchte so sein wie sie möchte und geht den richtigen Weg: zu sich selbst. 

Auch zum Schluss, als sie sich dazu entschloss zum Konzert zu gehen und ein Panda zu bleiben, gehörte viel Mut dazu in dieser jungen und signifikanten Phase seinen Eltern zu trotzen. Die Mutter leidet unter dem gleichen Druck ihrer Mutter gegenüber. So war beispielsweise der Schwiegersohn (Papa) nicht gut genug und alles was sie tat war ihr nie gut genug für die Großmutter von Mei Lee. So wurde dies einfach auf die Kleinste weiter übertragen. Zum Glück zeigt uns das Ende des Films, dass alles nochmal seinen heilenden Weg findet, allerdings weiß ich auch, dass wir Menschen es immer wieder unseren Eltern gerecht machen wollen und um Anerkennung buhlen. Nur so hart es klingt: Die wird es nie geben. Ein inneres Loch, das nie gestopft werden kann entsteht. Doch man kann es füllen. Mit Liebe, sehr viel Selbstliebe. Lerne Dich selbst kennen, lerne Deine Grenzen kennen, lerne Dich lieben lernen und hör auf die Anerkennung anderer zu erbetteln. Anfangs konnte Mei Lee sich anfangs nicht leiden, doch später während des Films lernte sie sich lieben, sah den Vorteil darin ein Panda zu sein um ihn dann doch mit Liebe kontrollieren zu können. 

Fazit des Films - spoilerfrei

Im Film musste ich einmal lachen und einmal fühlte ich mich sehr nostalgisch. Andererseits fand ich die Thematisierung der weiblichen Menstruation als auch das aktuelle gesellschaftliche Bild der „Helikopter-Eltern“ extrem toll. Als Erzieher erlebt man so einiges, wenn es um das Wohl der Kinder geht. Manche Eltern übertreiben es wirklich und merken nicht, dass sie eigentlich durch ihr Misstrauen ihrem Kind mehr schaden als nützen. Sich trennen ist auch zudem sehr schwer, das stimmt, doch ich empfinde auch hier, dass das Klammern noch wesentlich weniger hilft. 

Die Dialoge waren auch komplett in Ordnung, sowie der asiatisch-japanische Animetouch war einfach fabulös. Ich habe es geliebt. An Coco meinem absoluten Lieblingsfilm von Pixar kommt der Film nicht dran, aber es ist ein guter Wachrüttler an all diejenigen, die sich nicht selbst genug lieben konnten in der Pubertät, denn das ist die eindeutige Message: Mehr Selbstliebe. 

Ich bin zudem extrem fasziniert darüber, dass sie einfach so angenommen wurde und alle schnell eine Lösung für ihr Problem gefunden haben. Es ist sehr schön Freunde zu haben, die einem in komisch-schweren Zeiten helfen. 

Den Film kann ich ruhigen Gewissens allen ans Herz legen. Es gibt zwar eine Szene wo der Panda etwas wild wird und eventuell Angst machen kann bei unseren kleineren Disneyfans, aber mit ein wenig Gespräch und ein wenig Vorbereitung, wird das schon hinhauen. 🙂

Was denkst Du darüber, hast Du den Film schon auf Disney+ gesehen und vor allem, wie findest Du den?

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